Die homöopathische Arznei
Verborgene Arzneikräfte
Hahnemann schlüsselte durch Verdünnen und Verschütteln die verborgenen Arzneikräfte auf und machte so auch materiell unwirksame Rohstoffe (Kochsalz, Gold, Kupfer, Eisen etc.) zu wertvollen homöopathisch einsetzbaren Arzneimitteln. Dieses Verfahren nannte er Dynamisieren oder Potenzieren.Was versteht die Homöopathie unter dem Begriff Potenz?
Potenz bzw. Potenzieren stammt vom lateinischen Wort potentia (Vermögen, Kraft).Wie wird die Kraft in der Arznei geweckt? Immer wieder liest man in Artikeln, dass die Homöopathie mit verdünnten Stoffen arbeitet. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. In der Homöopathie wird die Substanz verrieben, dann verdünnt um im Anschluss die Arznei schütteln zu können.
Die Bedeutung des Verdünnens und Schüttelns
Die Schüttelschläge entwickeln die Arzneikräfte und machen die Arzneilösung stark. Der Verdünnungsschritt mildert die Arznei, damit wieder neue Schüttelschläge eingebracht werden können, ohne dass die Arzneilösung zu stark wird. Die Verdünnung sorgt auch dafür, dass die Toxizität einiger Stoffe gemildert wird. (z.B.: Belladonna, Arsen und Aconit)
Homöopathische Potenzen – D, C, LM/Q
In der Homöopathie werden verschiedene Potenzen eingesetzt.Man unterscheidet: D (1:10), C (1:100) und LM (1:50.000).
Die C- und LM- oder Q-Potenzen wurden direkt von Hahnemann entwickelt.
C-Potenzen
Die C-Potenzen sind die ersten Potenzen die Hahnemann selber entdeckt hat. Er selbst arbeitete etwa 40 Jahre mit diesen Potenzen. Heute sind die C-Potenzen die meistverkauften homöopathischen Potenzen.D-Potenzen
Die D-Potenzen wurden von Constantin Hering entwickelt, finden aber außerhalb des deutschsprachigen Raumes wenig Beachtung.Sie haben sich vor allem in Deutschland etabliert, nachdem die Herstellungsweise von Veysmeyer in Berlin veröffentlicht wurde und bald ihren Eingang in die Pharmacopoen Grueners und Wilma Schwabe fand.
Veysmeyer war der Ansicht, dass ein Mittel, das in der C3 nicht wirkte, in der C2 schon zu stark sei, und man mit der feineren Abstufung der Dezimalreihe die Arzneimittel genauer dosieren könne.
Hering war ein Anhänger des materiellen Dosierungskonzeptes, welches viele Jahre auch die Homöopathie dominierte, obwohl Hahnemann selbst andere Beobachtungen gemacht hatte.
LM-Potenzen
LM-Potenzen sind die neuesten Potenzen in der Homöopathie, die Hahnemann am Ende seines Lebens den Homöopathen vorgestellt hat. Eine genaue Beschreibung dieser Potenzart ist im § 270 Organon der Heilkunst, 6. Auflage niedergeschrieben.In den Jahren 1810 bis 1833 arbeitete Hahnemann ausschließlich mit C-Potenzen.
Bei den C-Potenzen liegt der Potenzierungsschritt bei 1:100, bei den LM-Potenzen liegt er bei 1:50.000.
Warum ändert Hahnemann die Potenz auf 1:50.000?
Bereits um 1833 setzte Hahnemann Potenzen ein die oberhalb der C30 Potenz lagen. Er lies diese bereits als Lösung über viele kleine Gaben verteilt einnehmen.Nach der alten Vorschrift – bei den C-Potenzen wird ein Teil der Arzneisubstanz zu 100 Teilen mit einem Hilfsstoff verarbeitet. Die Arznei wird dann 10 mal geschüttelt. In diesem Verdünnungsverhältnis ist die Menge an Lösungsmittel zu klein um viele Schüttelschläge aufzunehmen.
Würde man die C-Potenz 100 mal schütteln, so würde das Medikament zu heftig in seiner Wirkung. Aus diesem Grund erhöhte Hahnemann die Verdünnung um den Faktor 500. Nun kann das Medikament viele Schüttelschläge aufnehmen und bleibt sanft in seiner Wirkung.
Durch die Hohe Verdünnung und die große Zahl an Schüttelschlägen bei den 50.000 Potenzen erhalten wir Arzneimittel die schneller, aber sanft wirken. Durch die orale Gabe als Lösung erreicht man viele Nervenendungen und das Arzneimittel kann optimal wirken.
Hahnemann verließ den Bereich der C-Potenzen in seinen Pariser Jahren, um mit den neuen Potenzen schnellere Heilungen zu erzielen und seltener Erstverschlimmerungen zu bekommen.
Die 50.000 Potenzen sind in Deutschland noch wenig bekannt, da das Organon der Heilkunst, 6. Auflage, erst 1921 erschien. Diese neuen Potenzen wurden somit erst 1921 der homöopathischen Fachwelt vorgestellt.
Dr. Flury bemerkte erst 1942 diese Potenzen in einer Fußnote zu § 270 im Organon, 6. Auflage. Er bezeichnete diese 50.000 Potenzen als LM-Potenzen.
